Watched: “Shame” by Steve McQueen

Von Maximilian gepostet am 11. April 2012 um 07:44 in Film· Review
Watched: “Shame” by Steve McQueen
Foto: Prokino
Shame ist das Zweitlingswerk des Video- und Fotokünstlers Steve McQueen. Während sein erster Film ‘Hunger’ noch ein schönes Polit-Drama, das etwas zu sagen hatte, war, ist Shame ein belangloser, gut fotografierter Film, der Versucht einen sexsüchtigen New Yorker Yuppie, gespielt von Michael Fassbinder, zu poträtieren.

Brandon (Michael Fassbender) ein erfolgreicher New Yorker Geschäftsmann ist sexsüchtig. Er onaniert, fickt Prostiuierte, sucht sich One-Night Stands, hat Video-Sex-Chats und unterhält eine Pornosammlung auf seinem Privat- und seinem Bürorechner. Bis seine von Depressionen geplagte Schwester sich bei ihm einquartiert.

Brandons New-Yorker Wohnung ist unpersönlich, karg und leer. Die Nebengeräusche laut. Er pendelt nackt und selbstzerstörerisch zwischen dem Wichsen unter der Dusche und dem Wichsen vor dem Laptop hin und her. Zwanghaft und unnahbar muss sein Sex sein, denn als er für seine Kollegin Marianne (Nicole Beharie) mehr empfindet, verpufft seine Männlichkeit.Seine Schwester Sissy (Carey Mulligan) hat einen ähnlich selbstzerstörerischen Weg eingeschlagen. Sie kann nicht alleine sein und braucht die Aufmerksamkeit ihrer Umwelt. Beide bleiben sich fremd und haben keinerlei persönliches Verhältniss zueinander.
Als Zuschauer stochert man herum, was der Film denn sein möchte. Ein Kommentar, ein Potrait, vielleicht ein Drama? Shame erstickt in seiner Belanglosgkeit, die Geschichte ist einfallslos, die Dialoge nicht der Rede wert. Die wirklich gut fotografierten Szenen wirken wie Hochglanz-Fotocollagen die die Protagonisten bei ihrem alltäglichen Treiben zeigt.Während Spannung in der Luft liegt, dass Brandons Schwester Sissy sich etwas antun könnte. Wird Brandon klischehaft in einer Bar verprügelt, lässt sich anschließend in einem Gay Club einen Blasen um anschließend mit zwei Prostituierten zu vögeln. Subtilität muss man in anderen Filmen suchen. Eine seltende Dialogszene zwischen Schwester und Bruder lässt erahnen was Shame hätte werden können. Stattdessen konzentriert sich McQueen ausschließend auf nichtssagende Sequenzen.Brandon’s verheirateter Boss, der zum Beispiel seinen Sidekick in einer derart überflüssigen Sequenz spielt, in der er einen One-Nigt-Stand mit Brandon’s Schwester Sissy hat, der aber natürlich keinerlei Auswirkungen auf nur irgendeinen Handlungsstrang hat.

Michael Fassbender und Carey Mulligan machen ihre Sache dennoch gut. Sie sind spröde und spielen mit vollem Körpereinsatz ihre Charaktere. Beiden nimmt man ihre Rollen auch ab.

Shame ist ein Film der einem nichts erzählen möchte. Vielleicht hätte Steve McQeen einfach einen Fotoband herausbringen sollen. Denn in diesem Punkt macht der Film wirklich nichts falsch. Sobald man Shame aber mit seinem Filmbruder ‘American Psycho’ vergleicht, bleibt leider nur Enttäuschung übrig.



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4 Kommentare

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass ich den Film gut fand! Die Stimmung.war super und das Thema auch.

Lea schrieb am 11.04.2012 um 10:11Reply to this comment

Ich sehe das anders.
Ein guter Film muss ja nicht immer subtil sein und auch nicht immer eine packende Handlung haben. Bei Shame empfand ich die Handlung als eher nebensächlich und daher darf sie auch, zumindest teilweise, für das Gesamtbild belanglos sein.
Die “Gefühls”-welt der Charaktere steht meiner Meinung nach im Mittelpunkt bei “Shame” und genau die wurde unglaublich gut durch die absolut grandiose Schauspielleistung und auch die von dir bereits positiv erwähnte Inszenierung der Bilder dargestellt.
“Shame” ist genau der Film der er sein will und Inszenierung, Thematik und Schauspiel passen zusammen. Mehr kann man nicht verlangen.
Ich empfand den Film als sehr interessant und durchaus sehenswert auch wenn ich zugeben muss, dass er nicht so gut ist wie “Hunger”.

Pete schrieb am 11.04.2012 um 23:03Reply to this comment

Ich fand die Darstellung der Sexsucht ziemlich klischeehaft. Schon viel ehrlicher erscheint mir in Bezug auf das Thema das Büchlein “Pornos machen traurig” von Peter Redvoort …

Franziska

Franziska schrieb am 2.05.2012 um 14:59Reply to this comment

Der Film kam mir nicht so belanglos vor. Dieses Loch, welches sich in der Spannung zwischen dem Verlangen und dem Unvermögen von Zuneigung ergeben hat, steht in diesem Film so groß, obwohl es nie offensichtlich ins Gesicht artikuliert wird. Das hat McQueen extrem gut umgesetzt und Fassbender zeigt die dramatische Gestalt in vollen Zügen. Ich saß im Kino und habe ein tiefes Bauchweh im Magen gehabt. Alles andere als belanglos…

Andreas schrieb am 17.05.2013 um 08:19Reply to this comment

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