Playhouses

Von Lea gepostet am 1. November 2011 um 15:42 in Leben
Playhouses
Foto: sharkinaspic

Playhouses
Swept away by the river now
Confounded
Sound it out now

Beneath the cigarettes and sugar shit of alcohol breath
I can taste the ocean of your tongue
Remember when we sat on the sidewalk of your old block
Against the wall under the stars
Talking about love’s meaning
Well, I wasn’t dreaming

I meant every word 
Just didn’t know your demons
Do you know mine, babe?
Are we wasting time, babe?

- TV on the Radio -

 

Dreckige Clubs und dreckige Lippen. Vollgesaute Jeanshosen und versaute Witze. Beschissenes Bier und eine schale Nacht.

Bierflasche in der Hand, Lichtpunkte in den Augen, meinen Herzschlag im Ohr, Strom in den Beinen und das Lächeln stupide aufs Gesicht gesetzt. Ich tanze Liebe und Spaß auf den Boden, bewege mich umgerechnet zehntausend Kilometer pro Song mit geschlossenen Augen, spüre nur diesen Raum schwitzen. Ringsherum nur bespaßte Gesichter, Lächeln und zu laut gesungene Worte. Ich bin so heiß wie dieser Ort und die Nacht will, dass wir uns finden, um Puppenhäuser einzutreten.

Er hattest mich einmal gefunden, irgendwo auf der Straße, wie eine ausgerissene Katze lief ich herum. Da war auch dieser Club gewesen. Da war auch Bier gewesen und der Dj hatte zu viele Liebeslieder gespielt. War da Regen in meinem Gesicht? Der Herbst spuckte mich an und ich sprang in Stoffschuhen von Pfütze zu Pfütze zu dem Tinnitus in meinen Ohren. Der pelzige Geschmack in meinem Mund vermischte sich mit den letzten Tönen des Tanzen. Meinen Blick zu Boden gewannt, merkte ich nicht, wie er von hinten an mich heranfuhr.

“Hey!” Ich erschrak.

“Hey!” Sein Fahrrad war blau, ich bemerkte das sofort. Eisenblau und ihm fehlten ein paar Speichen. Ich kannte ihn, er war auch da gewesen in diesem Gewühl aus Alkohol, Beats und Menschen. Ich wusste, wie es jetzt weiter ging. Er wusste es auch. Wir spielten das Spiel. Er fuhr mich mit dem Rad zu sich nach hause und dort spürte ich mehr als den Wein oder das Bier, dort war ich angekommen vom Streunen. Ohne es vorher gewusst zu haben, hatte ich diesen Ort beim Springen im Regen gesucht.

Ich hatte Angst zu viel von mir preiszugeben, denn ich wusste, wie die Männer ticken. Keine Euphorie zeigen, das Spiel spielen. Der Fluss in mir wuchs zum Meer an, aber ich zeigte nur den Bach. Sich schämen für das, was man macht, weil das, was man will zu viel ist für jetzt. Als ich sagte “Ich will dich wieder sehen.” meinte ich damit “Ich habe mich verliebt.” Angst davor haben, dass er den Eindruck, den Schein, besser findet als das Sein. Nicht genug sein, weil der andere so gut tut und dann Theater spielen, Bäche formen. Kein Strom drang aus mir raus, nur das Spiel. Liebe spielregeln. Kontrollieren. Versagensangst. Dinge lieber bleibenlassen als zu scheitern. Wasser versickern lassen, austrocknen, weil alles besser ist als unkontrollierbares Meer innendrin. Er rief mich an, ich nahm nicht ab. Abebben lassen aus Angst vor der Flut.

Aber die heutige Nacht will, dass wir uns finden. Puppenhäuser eintreten. Mit geschlossenen Augen sehe ich ihn zwischen den Blitzen, denke an die Nacht von vor zwei Jahren, da ist wieder das Meer in mir. Er ist da. Er ist hier. Ich bin so heiß, dieser Raum schwitzt. Zwischen zwei Beats steht er da im Blitzlichtgewitter und lächelt mich an. Beat für Beat tanze ich mich zu ihm hin und da ist nur noch Musik in mir. I could taste the ocean on his tongue. Meer in mir, Meer in seinem Mund. Küsse im Takt der Musik. Ist das wieder das Spiel? Wie weit kann ich gehen? Ist Liebe das, was passiert, wenn das Meer übers Ufer tritt?

Meer ist nicht immer hellblau, meins ist schwarz und so tief, dass ich selbst den Grund nicht sehe. Es macht uns Angst. Sind da auch schwarze Stellen in ihm? Wird das alles irgendwann diese Schmetterlinge wegspülen? Wieder der Versuch mein Gesicht zu wahren. Wieder das Spiel. Wieder das Theater. Wieder Puppenhäuser aus Plastik am Rande des Flusses. Wir die Protagonisten. Ich habe keine Lust mehr, das alles zurückzuhalten. Ich will das alles spüren. Ich will keine Angst mehr davor haben, was passiert, wenn du das alles siehst.

Küsse auf der Tanzfläche zwischen einem Bier und dem nächsten Schnaps. Gespräche zwischen zwei Zigaretten. Ich setz jetzt alles auf ihn. In mir Panik. Ich weiß nicht, ob das Kribbeln in meinem Bauch mich warnt oder antreibt. Ich trinke zu viel, er lacht über mich. Wenn ich ihm jetzt sage, dass ich mich gerne verlieben möchte, sage ich dies zwei Jahre zu spät. Zwei verschwendete Jahre.

Wenn das Meer da ist, werde ich schwimmen lernen. Es nimmt alle Puppenhäuser mit. Und mich auch.

Einen Kommentar schreiben




  • Etwas verlieren.

  • Kleine Hände in großen Händen. Kleine Hände in Händen, die nach Schmieröl riechen. Schmieröl auf kleinen Händen. Sonnenstrahlen brechen sich in Bäumen und du wirbelst ihn herum. Er quiekt noch ...

  • Mehr über Dinge reden als Dinge zu machen.

  • Ich habe noch nie mein Bestes gegeben. Nein, ich weiß gar nicht was das ist oder wie man das macht. Gerade so eben war immer gut genug. Wie macht man ...

  • Eine Spur im luftleeren Raum

  • Flüchtige Begegnungen auf Fluren in öffentlichen Gebäuden. Verstohlene Blicke auf der kalt-nassen Straße vor deinem Haus. Eisiges Winken von Fenster zur Tür. Die gleiche Buslinie an vier von sieben Tagen. ...

  • Watte und Wein

  • Da ist nichts. Ein weißes Blatt Papier, ein Stift, aber die Worte kommen nicht. Bloß kein leeres Blatt akzeptieren, schreibe ich, und streiche es durch. Da sind keine Emotionen, nur ...

  • Es war in der Brombeerzeit.

  • Sie schaut in ihre Teetasse, ‘heiße Liebe’, trinkt sie und die Teetasse ist ein Erbstück ihrer Großmutter, meiner Urgroßmutter. Irgendwann wird es meine Teetasse sein und mir Halt geben, wenn ...

  • Behind the Scenes of Gaspar Noés “Enter The Void”

  • Die Jungs und Mädels von VBS teilen meine Liebe zu Gaspar Noé und haben ihn beim Dreh von “Enter The Void” durch Tokios dubiose Sex-Clubs begleitet. Herausgekommen ist eine 3-teilige ...

  • Soirée de Poche – The Morning Benders

  • Im Rahmen der “Soirée de Poche“, LA BLOGOTHEQUEs Reihe besonderer Live Auftritte, geben sich nun The Morning Benders die Ehre und füllen den sichtlich heissen Abend mit ihren tollen Songs ...

  • Conor Oberst – Coyote Song

  • Coner Oberst trägt mit seinem neuen Stück “Coyote Song” einen Beitrag zum TheSoundStrike Projekt bei. Dieses unterstützt durch den Verkauf von exclusiven MP3s unter anderem Kinder in Arizona, deren Eltern Opfer ...

  • Carl Barât – Run With The Boys

  • Carl Barât macht sich mit seiner gleichnamigen Solo-Platte (Release 4. Okt UK) auf Tour durch z.B. Köln, Hamburg und Berlin. Im neuen Video zu seiner ersten Single “Run with the ...

  • Twin Shadow – Castles In The Snow

  • Directed by Jamie Harley Das komplette Album gibt’s im Stream auf http://twinshadow.net/


  • IMPRESSUM / TOP ✝
    © Copyright 2009 - 2011 by ABGESCHIRMT. All rights reserved.