Mehr über Dinge reden als Dinge zu machen.

Von Lea gepostet am 9. Januar 2012 um 18:52 in Leben
Mehr über Dinge reden als Dinge zu machen.
Foto: Lea

Ich habe noch nie mein Bestes gegeben. Nein, ich weiß gar nicht was das ist oder wie man das macht. Gerade so eben war immer gut genug. Wie macht man das, wenn man etwas wirklich will? Wie macht man das, wenn man an etwas arbeitet bis zur völligen Erschöpfung? Wenn ich etwas wirklich will, wieso mach ich es dann nur so halb oder gar nicht? Wenn ich Ordnung mag, wieso bin ich zu faul zum Aufräumen? „Du musstest dich noch nie richtig anstrengen!“, sagst du mir, weil du siehst, wie alles glatt läuft. Weil du siehst, dass mein Leben in Bahnen fließt, weil ich vorankomme, auch wenn ich nicht weiß wo der Weg enden wird. „Dir fällt halt alles leicht.“ Und das stimmt auch. Dinge, die man mag, kann man auch. Ich liebe es zu lernen – wenn es meinen Interessen entspricht und dann auch nur, bis ich meine, ich habe es jetzt verstanden. Und das passiert meistens ziemlich schnell. Zu schnell.

Ich bin nicht faul, das kann man nicht sagen. Ich arbeite zeitweise so viel, dass ich kaum zum Essen komme. Ich mag arbeiten. Mein Studium passt zu mir, wie Topf und Deckel, es interessiert mich, ich lerne viel. Aber nie so viel, dass ich sagen könnte, dass ist jetzt mein Optimum, meine Ressourcen sind erschöpft. Bin ich einfach nur zu genügsam?

Nein, bin ich nicht. Mir sind Dinge nicht egal. Mir ist noch nie egal gewesen, wenn ich etwas nicht konnte. Ist es auch jetzt nicht. Mir ist noch weniger egal, wenn jemand etwas besser kann als ich. Weil ich ehrgeizig bin. Weil ich Dinge wissen will. Weil ich interessante Gespräche führen will. Weil ich eine Meinung haben will. Weil ich will, dass andere das merken und ich coole Sache machen kann. An der Uni arbeiten zum Beispiel. Texte schreiben zum Beispiel.

Wenn Ehrgeiz und Interesse sich treffen, warum gibt es dann nicht in mir den ultimativen Biss, mein Bestes geben zu wollen? Nicht zu gucken, wie gut ich sein muss, um etwas zu erreichen, sondern das Beste aus mir rausholen zu wollen, weil ich wissen will, wie viel in mir steckt? Warum will ich diese Mauer nicht durchbrechen? Habe ich so wenig Neugierde auf mich selbst?

Die Antwort ist, weil ich Schiss habe.

Ich habe Angst, dass da nichts ist. Das die dunklen Stellen in mir einfach dunkel bleiben. Das ich über die Mauer schaue und sehe, dahinter ist alles öde. Wer kämpft verliert, wer nicht kämpft hat schon verloren. Sagt man so. Ich fühle das anders. Wenn ich nichts riskiere, nur das mache, was ich kenne, nicht auf die Suche gehe, dann kann ich immer noch sagen, dass da ja etwas wäre, wenn ich nur würde. Ich kann Pläne schmieden, wie etwas aussehen würde, wie mein Leben wohl wäre, ohne wirklich mein Herz zu riskieren. Ohne mich selbst zu enttäuschen, so leben, wie es sich eben ergibt. Keine Verantwortung tragen für mein Leben, weil ich nicht selbst entscheide, sondern auf Gelegenheiten warte. Mich nicht in Sachen hineinsteigern aus Angst, Dinge nicht zu schaffen. Alle Möglichkeiten offen halten, aus Angst, Türen zu schließen. Sich nicht mit dem Standard zufrieden geben, aber nur auf Sparflamme fahren. Zu viel Schiss haben vor dem eigenen Versagen und dann trotzdem Nachts ins Kissen weinen, weil man nichts erreicht hat. Mehr über Dinge reden als Dinge zu machen. Sich gerade jetzt beim Schreiben fast in die Hose machen vor Angst, dass man sich nie ändern wird und diese Angst nicht überwindet, genau weil man sich nicht traut, sich nicht vertrauen kann.

Ich will das nicht mehr. Vielleicht reicht es schon, wenn ich darin mein Bestes gebe, einfach keine Angst mehr zu haben. Ab heute. Ab genau jetzt.

8 Kommentare

sehr gut. kenn ich

Verena schrieb am 9.01.2012 um 20:18Reply to this comment

sprichst mir aus dem herzen. bin auch so ein verdammter schisser.

eva schrieb am 9.01.2012 um 23:43Reply to this comment

Das Gefühl kenne ich auch, und ich kann beileibe nicht behaupten, es überwunden zu haben. Aber was hilft, ist: Ja sagen. Zu allem, was so kommt. Auch auf die Gefahr hin, dass es dich vielleicht überfordert, dass es doch das Falsche ist, oder dass du ganz woanders rauskommst als gedacht. Genau das bringt einen schließlich weiter. Viel Glück!

Eva schrieb am 11.01.2012 um 15:35Reply to this comment

Danke für die Antworten. <3 Gut, dass es nicht nur mir so geht. Dann fühlt man sich weniger doof.

Lea schrieb am 11.01.2012 um 22:58Reply to this comment

Gibt und gab es je einen anderen Grund? Ausser: Angst? Ich kennen keinen. Daumen hoch!

Sven schrieb am 24.01.2012 um 22:44Reply to this comment

geht jedem so. oder du bist ein totales arschloch.

jens hohmann schrieb am 25.01.2012 um 11:50Reply to this comment

Kenne ich. High Five.
Was ich mache soll schon gut sein, aber gut reicht. Es muss nicht das Beste sein…
Aber dann manchmal schon. Für andere. Wenn ich für andere arbeite, will ich ihnen nicht irgendwas gutes abliefern, sondern mein Bestes.
Für mich und die Uni reicht es (leider) häufig, dass ich dabei war, ok war, durchgekommen bin und nicht super schlecht und überdusselig bin.

Und jetzt suche ich wieder nach Sachen und Leute, für die ich arbeiten will und kann, denen ich gerne mein Bestes gebe.
Nicht, weil ich keine Fehler mache, wenn ich mein Bestes gebe, sondern weil mich die Fehler härter treffen, aber ich aus ihnen mehr lerne.

Vielleicht ist es keine Angst. Vielleicht sparst Du Deine Kräfte nur für was anderes.

Frau_Feli schrieb am 28.01.2012 um 15:43Reply to this comment

Wow, Feli, das ist bei mir GENAU umgekehrt! Wenn überhaupt, gebe ich in der Uni mein Bestes, weil ich da schnell Belohnung bekomme in Form einer guten Note. Das ist mir jetzt auch total peinlich, aber that it is. (Ich kann gerade nicht glauben, dass ich das ernsthaft schreibe! DAS IST WIDERLICH!) Aber leider muss man da meistens auch nur Mittelmaß geben, um gut zu sein.

Lea schrieb am 9.02.2012 um 22:06Reply to this comment

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