Was ist Heimat? Wo fühlt man sch zuhause und was macht sein Zuhause mit einem? Home’s where you’re heart is. Home’s where your friends are. Indeed. Finde ich auch. Auch ich erlebe, dass mein Zuhause kein einziger Ort ist, schon gar nicht mein Geburtsort, sondern verschiedene Teile meiner Erinnerung. Ich verbinde unheimlich schöne Erinnerungen mit diesem sehr schönen, aber auch beschissen kleinstädterischen Gebiet im südlichsten NRW. Es ist der Ort an dem fast alle meine Freunde geboren sind. Der Ort der meine Sprache spricht. Da, wo meine Familie wohnt. Es ist das, was mich am meisten geprägt hat. Was ich am meisten bin. Wenn ich durch die Wälder laufe und von den Hügeln mein Dorf sehe, weiß ich, das ist mein Zuhause. Aber es ist nicht dieser Ort. Nein, es ist die Erinnerung an die schönen Momente, die ich hier gesammelt habe, die den Ort zur Heimat machen. Erinnerungen an Momente mit Freunden, die ich habe seit ich fünf bin. Erinnerungen an Liebesgeschichten, die auf Klassenfahrten begannen und immer noch halten. Erinnerungen an das beschissene Gefühl hier gefangen zu sein. Angst davor zu haben, dass dieser Ort einen lähmt und man so wird wie die eigenen Eltern. Angst davor, dass man es irgendwann nicht mehr so schlimm findet, wie die eigenen Eltern zu sein. Nicht dieser Ort ist meine Heimat, es sind Eigenschaften, die ich in mir sehe. Eigenschaften, die seit Generationen mit diesem Ort und den Menschen hier verbunden scheinen. Noch mehr Angst davor, dies nie ablegen zu können. Noch mehr so zu werden. Es nicht schlimm finden, so zu werden.
Das ist manchmal wie ein Sumpf. Sumpf oder Treibsand. Hassliebe. Das Gefühl hier stehen zu bleiben gepaart mit Zukunftsangst. Mir steht alles offen, aber ich bleibe hier. Bleibe stehen.
Was wäre woanders? Wäre ich anders? Ich denke nicht, dass es darauf ankommt, wo man ist, sondern wer man ist. Nichts ist schlimmer als Menschen, die sich exorbitant ekelhaft mit ihrer Umgebung identifizieren. Das meine ich im positiven, wie im negativen Sinne. Nichts ist nerviger als Menschen, die mehr über ihre Stadt reden als über die Dinge, die sie tun. Ich will nicht wissen, wie toll U-Bahnfahren ist, welche Partys du besuchst, weil die Stadt niemals schläft oder wo man besten wohnt, um geil zu sein. Es ist eine Sache sich in der Stadt wohlzufühlen, in der man wohnt. Es ist eine andere Sache, wenn Berlin/Hamburg/Paris/New York die Persönlichkeit ersetzt, weil du selbst so langweilig bist, dass du nicht anderes zu erzählen hast. Erzähl mir doch, wovon du träumst oder was du magst oder wie sehr du deine Freunde liebst. Das finde ich gut. Dem Hype hinterherzurennen finde ich eher nicht so gut.
Es ist auch eine Sache Dinge an dem Ort, an dem man lebt zu vermissen und unglücklich zu sein. Es ist eine andere, ob du dem Ort die Schuld gibst. Wäre es woanders anders? Ich kann keine Beschwerden mehr über diese kleine Großstadt hören. Ich kann diese Beschwerden über meine Heimat nicht mehr hören. Nicht aus Patriotismus, sondern weil es langweilt. Du bist nicht der Ort, in dem du wohnst. Du bist die Sachen, die du machst und was du denkst, wie du dich verhälst, wie du fühlst.
Das denke ich und beiße mir dabei in Gedanken meine Lippen blutig, weil es stimmt und ich doch weiß, dass es für mich nicht richtig ist. Denn ich weiß, ich wäre wahrscheinlich nicht anders. Ich habe das probiert. Finnland, Guadeloupe, Israel. Es war überall anders, aber der Treibsand, den ich aus meiner Heimat kenne, kam überall mit. Das, was ich an mir hasse, blieb da. Meine Heimat, beschissen und schön, blieb in mir drin. Neue Heimaten wurden zu Lebensabschnitten mit neuem beschissenen Ballast und große Veränderungen blieben aus. Dennoch ist da immer noch die Möglichkeit, dass es anders sein kann. Das ist irgendwie die Hoffnung in mir, dass ich noch mehr sein kann, als das, was dieser Ort mir bietet. Ist das ein Hättehättefahrradkette? Ich muss mir sicher sein, denn ich habe ziemlich viel zu verlieren.
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Dieser Beitrag ist übrigens sponsored by patsyjones, die mit ihren unkonventionellen Gedanken einfach großartig ist!
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