Besucht: Trentemøller live in Köln

Von Lea gepostet am 12. Oktober 2010 um 12:55 in Musik· Review
Besucht: Trentemøller live in Köln
Foto: Kristian Selch

Trentemøller, Trentemøller, was hast du nur gemacht? Gestern sahen wir Trentemøller live in der Live Music Hall in Köln. Er machte es uns schwer, ihn zu mögen.

Vorab: Ich liebe Trentemøller. The Last Resort hat sich im Dauerloop in meine “Geht-Immer-Playlist” eingespielt. Ich mag Elektrokonzerte lieber als Schrammelmuckenkonzerte. Ich mag tanzen. Ich finde kollektive Musikerlebnisse super. Ich gehe auf Konzerte, um dieses alles umarmende Gefühl von Kuschelwärme durch Musik, Licht und Stimmung zu bekommen. Trentemoeller kann das, ich weiß das. Die Musik ist dazu in der Lage, weil sie tief ist und berührt. Naja, zumindest gilt dies für The Last Resort.

Es war ein Fehler meinerseits das aktuelle Album zu ignorieren. Es war ein Fehler von Trentemøller gestern die letzten Alben zu ignorieren. Gerade einmal drei Lieder spielte er von The Last Resort. Vamp, Take me into your skin und Moan. In der Reihenfolge. Moan war die Zugabe. Diese Lieder waren super und schafften es, die Menge zu bewegen. Genau diese drei Lieder schafften die Stimmung, die ich mir gewünscht habe. Diese drei Lieder lang war die Masse ein emotionales Kollektiv. Aber drei Lieder machen keine gute Show, eine gute Zugabe kein gutes Konzert.

Die aktuellen Lieder waren belangloser, haben keine Tiefe, sondern lediglich eine “Singende Säge” und nichts-sagenden Frauengesang. Die “Singende Säge” war echt nervig und leider charakteristisch für den gesamten Sound, die Beats waren nicht treibend, sondern lahm. Es gab keine Kicks.

Mich störte zudem, dass das Konzert wie ein Indiekonzert aufgebaut war. Während die Musik auf den Alben durchläuft und Beat in Beat übergeht, wurde auf dem Konzert nach jedem Song eine Klatschpause gemacht. Das störte den Fluss immens. Das ist keine Indiemusik, das ist deeper Techno, der gefühlt werden will. Die Qualität, die ich an Trentemøller so liebe, dieses Herumtragen auf den Klängen, dieses Geschichtenerzählen durch Töne, die fehlte vollkommen. So waren es keine Geschichten mehr, sondern einfache Lieder. Das machte es langweilig.

Die Zugabe, also Moan, zeigte noch einmal, was hätte gehen können. Der Song begann mit einer Mundharmonika, baute sich langsam auf, ging über in Beats und Bass und ich wurde getragen. Für einen kurzen Moment dachte ich wieder an Israel. Daran, wie ich dort das Lied in Dauerschleife gehört habe und wie sehr dieses Lied für mein Fernweh steht. Kurz: Emotion. Ich spürte auch, dass für die Länge dieses Liedes alle ähnliche Gedanken hatten und an ihre eigene Geschichte dachten.

Es zeigte das Potential. Die Show hätte so gut sein können, aber so war es nur ein mittelmäßiges Konzert. Warum nicht seinem bewährtem Stil treu bleiben? Warum so aufgesetzt neu und künstlerisch? Warum nicht auf seine Emotionen hören? Warum vertonte Emotionen durch einfache Klänge ersetzen? Das ist so schade.

7 Kommentare

ja kann ich nur zustimmmen.

yann schrieb am 12.10.2010 um 15:46Reply to this comment

Da hört man richtig die Enttäuschung.
Ich hatte auch überlegt, ob ich hingehe (in Berlin), aber eine Erkältung hielt mich davon ab.. Nicht so schlimm, wie mir scheint..

M.

DasMaddin schrieb am 14.10.2010 um 00:36Reply to this comment

ich hatte das album blind gekauft. aus liebe zu den ersten. into the trees..ich hätte auf dem boden gelegen und geweint vor freude, wäre es gekommen. und sonst?
bis auf the mash and the fury konnte ich dem neuen album nichts abgewinnen. aber seit sonntag….häxan, shades of marble, even though you are with another girl. sie haben mich gepackt. in köln zum ersten mal.seit nunmehr drei tagen ist es mein momentaner soundtrack, trägt mich durch den tag. dennoch läge ich, hörte ich into the trees irgendwann in einem vergleichbaren rahmen, auf dem boden und lächelte.
ich habe nichts erwartet.vielleicht war das genau das richtige.

marcus schrieb am 14.10.2010 um 13:28Reply to this comment

also was ich dennoch sagen muss, es war ein schöner abend mit euch beiden :-)

yann schrieb am 14.10.2010 um 23:02Reply to this comment

Das erste Album “The Last Resort” war eine Bombe und ist nicht zu toppen, ganz klar. Ich stimme zu, dass der neue Longplayer leider nicht mehr den grandiosen Spannungsbogen hat wie das Debut und insgesamt auch das Gändehaut-Feeling fehlt.

Ich verstehe aber nicht so recht, wieso sich viele Leute daran stören, dass der Auftritt wie ein “Indiekonzert” aufgebaut war. Erst einmal sollte erwähnt werden, dass Trentemøller seine Wurzeln im Rock-Bereich hat. Deshalb ist es keineswegs überraschend oder absurd, dass auch Instrumente wie eine Gitarre auf der Bühne Platz finden. Zum Anderen heißt die Tour auch ganz klar “Trentemøller In Concert / with Band”. Wer ein fliessendes Techno-Set erwartet hat, ist in Clubs bei seinen DJ-Shows sicher besser aufgehoben und hat das Konzept einer Tour mit Band nicht ganz verstanden. Mal ehrlich: es gibt genug Laptop-Live-Acts, da ist die Show von Trentemøller absolut grandios.

Jan schrieb am 20.10.2010 um 15:07Reply to this comment

hab ihn vor einem Monat in Wien gesehen – hat mich nicht unbedingt vom Hocker gehauen.

lg

junger beer schrieb am 6.11.2010 um 15:29Reply to this comment

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