Ausgelesen: Nick Cave – Und die Eselin sah den Engel

Von Lea gepostet am 4. Juli 2010 um 22:45 in Blog· Kunst· Literatur· Review
Ausgelesen: Nick Cave – Und die Eselin sah den Engel
Foto: Un ragazzo chiamato Bi

Nick Cave, kennt man ja. Die Loser kennen ihn spätestens seit seinem Duett mit Kylie Minogue, für alle anderen gehört er einfach zur Musikwelt wie der Rotwein zum Abendmahl.

Musikalisch konnte ich, ich hasse mich so, dass jetzt schreiben zu müssen, nie so viel mit ihm anfangen. War mir irgendwie, ich hasse mich immer noch, zu kitschig. Aber ich werde aufholen, fest vorgenommen. Es geht hier ja auch gar nicht um die Musik, sondern um sein Buch “Und die Eselin sah den Engel”.

Vor einiger Zeit lag es so da in unserer Wohnung und weil ich kein Buch ungelesen herumliegen lassen kann, musste ich es dann anfangen. Ich las den Titel, konnte mir gar nichts darunter vorstellen, dachte an Nick Cave und hatte Angst vor Kitsch und Liebesgeschichten. Als dann alles auch noch mit einem Bibelzitat anfing, war ich mehr als skeptisch, aber irgendwie geilte mich diese perverse Mischung aus meinen Liebes-Kitsch-Erwartungen und irgendwas mit Bibelkram, was auch noch irgendwas mit Selbstmörder und Mörder zu tun haben sollte, dann doch ziemlich an. Wahrscheinlich trieb mich auch etwas dieses Zuhälterbild auf dem Umschlag dazu irgendetwas cooles in dem Buch zu suchen und weiterzulesen.

Und zackbum, erwischt. Direkt auf den ersten Seiten wird man einfach nur geflasht von diesem Schreibstil. Es ist pervers, es ist schokierend, es ist ekelhaft und unglaublich poetisch. Nie in meinem kleinen Leseleben, niemals, ist mir bis jetzt ein Buch, eine Geschichte, ein Text, ein Irgendwas begegnet, das so eine methapernstarke, bildhafte, radikale und einfach wunderschöne Sprache beinhaltet hat. Das Buch ist ein einziges Gedicht! Und mit Gedicht, meine ich das auch so. Ich scheiß auf Descartes oder Goethe und ich scheiß auch auf alle meine bisherigen Lieblinge von Hans Bemann über Schiller über Kaléko über Brecht über… ich verkauf die auf’m Flohmarkt, wenn Nick Cave mir bitte nur noch mehr von dieser Sprache gibt.

Ich wollte gar nicht mehr aufhören. Man ging da so auf. Die Geschichte spielt in den Südstaaten, irgendwann früher, aber Südstaatenroman wäre eine pure Beleidigung und auch ein kleiner Euphemismus. Alles, was die Südstaaten auszumachen scheint, wird von dem Ich-Erzähler und Protagonisten Euchrid Euchrow einfach nur durch pure Vulgaritäten nieder gemacht, denn alles was er auf diesem Fleck Erde in seinem jungen Leben mitmachen musste, war einfach nur ein großer Haufen Scheiße aus Scheinheiligkeit, Gewalt und Alkoholmissbrauch. Irgendwie zeigt es, dass die meisten Leute dort einen Schaden haben. Ist nicht überzeichnet, nein. Es ist so. Man glaubt Nick Cave einfach jedes Wort. Muss also alles so sein, denn diese Worte müssen die Wahrheit sein, das was die Welt zusammenhält.

So, ihr lest das jetzt bitte. Und ich kaufe mir jetzt sofort “Der Tod des Bunny Munro“, hoffend auf Großes, wissend es wird gut sein.

7 Kommentare

Munro musste dir nicht kaufen, ich bringe es dir am wochenende mit

M schrieb am 4.07.2010 um 23:17Reply to this comment

Wenn man deine Beschreibung liest, bekommt man richtig Lust das Buch lesen. Ich überlege sogar dem “Tod des Bunny Munro” eine zweite Chance zu geben, und das, nachdem mich zahlreiches vorgelesen bekommen von Ausschnitten eher abgeschreckt hat und ich den Typen schon als perversen Irren abgestempelt hatte. Kompliment an die Verfasserin! :)

Pati schrieb am 4.07.2010 um 23:24Reply to this comment

so, ich ,der also eher dir als alex solche freuden bereiten konnte, würde sich sehr darüber freuen, das buch mal ausleihen zu können. fand bunny munro auch schon ziemlich gut.
was in deiner kleinen vorstellung leider fehlt ist ein gebührender dank an werner schmitz, der es anscheinend geschafft hat, eine sehr gute übersetzung ab zu liefern.
pati, gib bunny ruhig eine zweite chance, maxi hat wahrscheinlich die falschen stellen vorgelesen.
lg

jan

yann schrieb am 5.07.2010 um 06:27Reply to this comment

Oh, Jan. Erst einmal Dank an dich! Klar, darfst du’s haben. Wann bist du hier? Wann ist was cooles in Köln?
Und ja, dem Übersetzer sei hiermit auch gedankt. Habe mich gestern erst beschwert, dass die Übersetzer immer vergessen werden und vergesse den guten Herr Schmitz abends dann auch. Das ist nicht fair! Vielen herzlichen Dank, Herr Schmitz!
Und Danke der Patri, weil sie so lieb ist. Lies das Buch!

Lea schrieb am 5.07.2010 um 08:03Reply to this comment

am wochenende bin ich zu hause, vielleicht hol ich es mir ab ;>

yann schrieb am 5.07.2010 um 15:55Reply to this comment

[...] Nick Cave – Und die Eselin sah den Engel. Und das sogar noch vor meinem geliebten John Irving, Der Bücherdiebin und diesem, äh, Sarairgendwas. [...]

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